Ein Rundgang

Grabmal Hayn

Hier werden Ihnen nun einige prominente Trierer Bürger, die auf dem Trierer Hauptfriedhof bestattet wurden, vorgestellt:

Ein für seine Entstehungszeit außergewöhnliches modern wirkendes Grabmal ist das des Ehepaares Peter Marx (Architekt, +1958) und Laura ( geborene Gusenburger +1907). Sie haben sich recht zeitloses Denkmal setzen lassen. Die schmiedeeiserne Bedachung der Stele aus Sandstein und die geschmiedeten Seitenteile lassen das Grabmal heute noch wie neu wirken. Auf dem Stein sind in einer Kreuzigungsszene neben dem Christus am Kreuz die Heiligen Laurentius (Märtyrer mit einem Rost als Martersymbol dargestellt und der Namenspatron der Laura Gusenburger) und Petrus (mit einem Kreuz und als Namenspatron Peter Marx) abgebildet. Auf der darunter liegenden Inschriftentafel finden sich die Symbole der vier Evangelisten, die die Namen einrahmen. Unterhalb des Laurentius sind ein Mensch als Symbol für Matthäus und ein Stier für Lukas herausgearbeitet, unterhalb des Petrus entdeckt man einen Löwen als Markussymbol und einen Adler als Hinweis auf den Evangelisten Johannes.

Der 1871 in Trier geborene Peter Marx absolvierte zunächst eine Lehre als Bautechniker für Hoch- und Tiefbau in Trier, ehe er sein Studium in Brüssel begann und dort auch arbeitete. Nach Studienreisen und dem Ableisten seines Militärdienstes arbeitete Marx Ende des 19. Jahrhunderts über zwei Jahre in New York. Nach seiner Rückkehr setzte er sein Studium in Berlin fort. Ab 1900 war Marx wieder in Trier und eröffnete sein eigenes Büro für Architektur, wo er Kirchen, Synagogen, Friedhöfe, aber auch Geschäftsbauten, wie auch private Wohnhäuser in allen Größen entwarf. Hier lebte er in der Kochstraße 12, später ist er unter der Adresse Kochstraße 11 gemeldet.. Aus seiner Anfangszeit stammen die Pläne für das Doppelhaus Südallee17/18, die Pläne datieren vom Juni 1900. Auch das Pfarrhaus der Trierer Pfarrei St. Martin aus 1912/1915 stammt aus seiner Feder, ebenso wie die Pfarrkirche St. Martin. Im Ersten Weltkrieg war Marx von 1915 bis 1916 zum Kriegsdienst eingezogen worden. Während der Nazi-Zeit wurde Marx politisch verfolgt, weswegen er schon 1933 nach Rom emigrierte und erst 1947 wieder zurückkehrte. Die Zeit seines Romaufenthaltes nutze er zum Studium der Archäologie


Grabmal Marx

Auf diesem Gottesacker ruht auch der dritte Landrat des damals noch jungen Landkreises Trier (1815 gebildet), Leopold Tobias, der am 27. März 1894 in Trier recht jung verstorben ist. Geboren worden war er im März 1837 in Trier als Sohn des Regierungs- und Medizinalrates Dr. Michael Tobias und seiner Ehefrau Catharina Seel. Nach dem Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier 1855 studierte Tobias in Berlin und Heidelberg Rechtswissenschaften, 1858 legte er das erste Staatsexamen ab. 1865 bestand er das zweite Staatsexamen und wurde Regierungsassessor in Trier und kurz darauf in Stettin. Rasch beantragte er seine Versetzung nach Trier, der auch bald entsprochen wurde. 1866 war er wieder in Trier. Hier vermählte er sich 1867 mit Theodora, geborene Schmedding, einer Bankierstochter. Als Trauzeugen waren der Bankier Reverchon und Kommerzienrat Kayser anwesend. Tobias und seiner Frau wurde ein Sohn geschenkt, der auf den Namen Karl getauft wurde. Kurz nach seiner Heirat wurde Tobias auch politisch aktiv. Von 1867 bis 1871 war er als Abgeordneter des Wahlkreises Trier-Wittlich Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes. 1872 wurde Tobias zum definitiven Landrat des Kreises Saarburg ernannt, was er bis 1885 blieb, als er kommissarischer Landrat des Kreises Trier und der Nachfolger des Landrates .Spangenberg wurde. Am 21. Juni 1886 wurde Leopold Tobias dann zum definitiven Landrat des Landkreises Trier ernannt. In diesem Jahr standen ihm an Einkommen folgende Summen zu: Ein Gehalt von 4800 Mark, 540 Mark an Wohngeld, 3400 Mark als Aufwandsentschädigung und 1200 an „Fahrtkostenerstattung“. Zum Vergleich erhielt 1884 der Oberbürgermeister Triers 7500 Mark, hatte aber eine kostenlose Dienstwohnung. Dennoch warb sein Einkommen niedriger als das des Landrates. Der Regierungspräsident hingegen erhielt jährlich 11400 Mark zuzüglich einer freien Dienstwohnung. Der Landkreis Trier zählt 1860 etwas über 62000 Einwohner, Saarburg rund 30500. 1893 begann Tobias Gesundheit zu schwinden und konnte seinen Dienst oft nicht mehr versehen. Im Herbst des Jahres mußte er das Bett hüten, bis er im März des folgenden Jahres starb, gerade 57 Jahre alt. Die Nachrufe ließen erkennen, daß Tobias ein geschätzter und beliebter Mitarbeiter und Mensch gewesen war. Als er das Amt des Landrates Saarburg ablegte, um das gleiche Amt in Trier zu bekleiden, machten ihm die Kreistagsabgeordneten ein wertvolles Abschiedgeschenk. Für gesammelte 3100 Mark ließ man ihm bei einem Berliner Silberschmied eine prächtige silberne Bowlenschüssel mit Widmung und Initialen arbeiten, das sich noch heute im Besitz der Nachkommen des Landrates Tobias befindet. Tobias Schwester Emma heiratete übrigens den Trierer Heinrich Rosbach (1814-1879). Der war Mediziner (unter anderem am Landarmenhaus in Trier tätig), Botaniker und autodidaktisch gebildeter Maler, der wohl nur Kennern kein Unbekannter sein dürfte. 1985 zeigte das Keramik – Museum in Mettlach eine Ausstellung mit seinen Werken, die damals erst bei der Auflösung einer Privatsammlung entdeckt worden waren. Von der Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Alle vier Kinder Rosbachs und Emmas starben kinderlos, das Haus der Familie, das „Rosbach`sche Haus“, in der Moselstraße 20 wurde bereits 1932 wegen Straßenverbreiterung abgerissen. Eigentlich war es das Haus des Schwiegervaters Tobias, Rosbach hatte aber seine Schwäger ausbezahlt und dort Wohnung genommen. Rosbach, der auch Mitglied der Gesellschaft für nützliche Forschungen Trier gewesen war, soll alle Mitglieder seiner (Schwieger-) Familie unentgeltlich behandelt haben. Leider ist Rosbachs Grab nicht mehr erhalten, aber die Stelle, an der es sich einst befunden hatte, liegt ganz in der Nähe dieses Familiengrabes Tobias.


Grabmal Görtz

Auch der ehemalige Oberbürgermeister von Trier und Landrat des Stadtkreises Trier, Franz Damian Görtz, hat seine letzte Ruhe hier in Trier gefunden. 1788 wurde er in Oberwesel als Sohn des Deputierten des Obererzstiftes Johann Theodor Görtz und dessen Ehefrau Ludovika Artz geboren. Zunächst durch einen Hauslehrer unterrichtet, besuchte er später das Aschaffenburger Gymnasium. Er schlug die juristische Laufbahn ein und absolvierte sein Studium in Würzburg und Heidelberg. 1830 bekam Görtz das Amt des Landrats in Merzig übertragen und 1840 wurde er Landrat des Stadtkreises Trier und kommissarischer Oberbürgermeister Triers. In der Nacht zum 8. April 1848 wurden die Scheiben seines Wohnhauses von Trierern eingeworfen, er konnte durch den Garten flüchten. Hierauf bat er um Beurlaubung. In den Wirren der 1848er Revolution galt Görtz der Trierer Bevölkerung als unbeliebter Repräsentant der preußischen Regierung und musste so den versuchten tätlichen Angriff erdulden. Im August 1848 wurde dann Görtz Pensionierung in die Wege geleitet mit der Begründung, daß die Umstände die Entbindung von seinen Amtsfunktionen nötig gemacht hätten und seine spätere Rückkehr ins Amt durch sein fortgeschrittenes Alter nicht mehr zulässig sei. Der mit Anna Maria Antonia, geborene Cardon, verheiratete Franz Damian Görtz starb am 2. Februar 1865, auf den Tag genau an seinem 77. Geburtstag. Seine Grabstätte mit einem schlichten Denkmal findet sich an der südlichen Außenmauer des Friedhofes und wird von einem hohen Baum beschattet.


Grabmal Buß

In der folgend abgebildeten unauffällig liegenden Grabstelle wurde der Geheime Regierungsrat Franz Xaver Buß (Buhs) zur letzten Ruhe getragen. Der 1790 in Bonn als Kaufmannssohn geborene Buß wurde 1849 Bürgermeister Triers und 1851 als Oberbürgermeister durch Friedrich Wilhelm IV. bestätigt. Er blieb es bis zu seinem Ruhestand 1861, den er erst mit über 70 Jahren antrat. Buß hatte als Freiwilliger 1815 am Befreiungskrieg gegen Napoleon teilgenommen. Vor seiner Tätigkeit in Trier war er Oberbürgermeister der Stadt Mayen, und zuvor, mit erst 29 Jahren in Kreuznach gewesen. Seine Bewerbung um dieses Amt in Trier wurde von vielen Seiten unterstützt, weil man sich seiner Dienstbefähigung sicher war. Bis 1851 war er außerdem königlicher Landrat des Stadtkreises, danach wurden die beiden Funktionen getrennt. Buß war zeitweilig Präsident der Gesellschaft für nützliche Forschungen in Trier. Er starb am 12. April 1883 in Trier, zu seinem Gedenken ist eine Straße in Heiligkreuz nach ihm benannt worden. Buß gilt als Oberbürgermeister, der die städtische Verwaltung geordnet und pflichttreu seine Amtsaufgaben versehen hat.


Einem seiner Amtsnachfolger aus dem Trier Nach- Jahrhundertwende wurde auch ein Ehrengrab zugedacht. Der Stein krönt das Bruchhausen gewidmete Ehrengrab der Stadt Trier auf dem Hauptfriedhof. Der Geehrte war nicht nur Oberbürgermeister Triers von 1905 bis zu seinem Ruhestand im Juli 1927, sondern auch Ehrenbürger der Stadt Trier. Albert von Bruchhausen war im April 1859 in Oelde geboren worden und hatte in Freiburg, Straßburg und Berlin die Rechtswissenschaften studiert und als Rechtsanwalt in Essen gearbeitet. 1899 hatte er sich mit Elisabeth Veltmann vermählt. 1904 kam von Bruchhausen nach Trier und wurde hier zunächst Bürgermeister, ehe er ein Jahr darauf das Amt des Oberbürgermeisters versah. Seine Wohnung nahm er am Katharinenufer 3. Da er sich während der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg deutlich gegen die Franzosen stellte, wurde er 1923 wegen „passiven Widerstandes“ ausgewiesen, konnte aber Ende 1924 zurückkehren und die Trierer hatten ihr Oberhaupt wieder. Unter seiner Regierungszeit geschahen die Eingemeindungen von Pallien, St.Matthias/Medard, Feyen und Heiligkreuz zur Stadt Trier in den Jahren 1907 bis 1910. Auch der Bau der später Kaiser-Wilhelm-Brücke genanten Moselbrücke, noch heute oft als „Neue Moselbrücke“ bezeichnet, geschah unter seiner Leitung. Seinem Engagement ist auch die Gründung und der Ausbau der Elektrizitäts- , Wasser- und Gaswerke Triers zu verdanken (Kanalisation!), ebenso wie die Asphaltierung vorher gepflasterter Straßen. Dieser Oberbürgermeister, übrigens Mitglied der Zentrumspartei sorgte auch für den damaligen Ausbau der Straßenbahn. Bekannt ist er für eine mutige und für damalige Zeiten moderne (Finanz-) Politik, die aus dem eher provinziellen Trier eine fortschrittlichere Stadt machte. Sein Amt bemühte er sich politisch neutral auszuüben. Noch im Jahre seines Eintritts in den Ruhestand 1927 verlieh ihm Trier die Ehrenbürgerwürde. Außerdem erinnert eine Straße an den ehemaligen Oberbürgermeister Triers, der am 23. April 1948 in Buchheim im Breisgau gestorben ist.

Das folgende Bild zeigt die Grabstätte des Konstantin Schwarzmann, der ein sehr vielseitig begabter Kreativer gewesen war. Neben seinem 1900 gegründeten Goldschmiedegeschäft widmete sich der 1869 in Kasel Gebürtige auch der Trierer Mundart und trat als Dichter an die Öffentlichkeit, gewann sogar 1922 den ersten Preis eines Mundartwettbewerbes. Aber auch in seiner eigentlichen Profession, der Goldschmiedekunst war er erfolgreich, gewann Preise, sodaß das Einzugsgebiet seiner Kunden Trier weit überschritt und das gesamte Rheinland umfaßte.


Grabmal Endres

In einem aufwendig gestalteten Familiengrab wurde Johann Bernhard Endres bestattet, der am 22. April 1908 in Trier verstorben war. Der 1828 in Trier geborene Sohn eines Kaufmannes hatte in Trier, München und Löwen katholische Theologie und Philosophie studiert, ehe er 1853 in Trier zum Priester geweiht wurde. Zunächst war er in Schweich als Kaplan tätig, wurde 1857 Domvikar und 3 Jahre später Direktor des Bischöflichen Konviktes in Trier.1881 erfolgt Endres Ernennung zum Geistlichen Rat, und seit 1884 hatte er 12 Jahre das Amt eines Domkapitularen inne. In den Jahren 1891 bis 1906 war er Regens des Bischöflichen Priesterseminares Trier. 1903 wurde Endres zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt. Der aus wohlhabendem Elternhaus stammende Endres vermachte der Kirche in Trier viel. Neben finanziellen Zuwendungen wie Studienstiftungen schenkte er ihr Ländereien und Immobilien. Unter anderem vermachte er dem Bischöflichen Konvikt in Trier, dessen Direktor er war, den in seinem Besitz befindlichen „Duisburger Hof“ in Ruwer-Eitelsbach. Später wurde das Gebäude von den Bischöflichen Weingütern übernommen und noch später brachte man hier einen Teil des Bistumsarchives mit Werkstatt und Verwaltungsräumen unter. Das Grundstück, auf dem das spätere Rudolfinum entstehen sollte, wurde auch von Endres gestiftet. Den Jesuiten vermachte er außerdem sein Elternhaus (Dietrichstraße).Seinem besonderen Engagement unterlagen die Rechtsansprüche des Konviktes, die er publizierte und für die er sich vehement einsetzte. Er war sich mit seinem Bischof Michael Felix Korum einig, beide waren Befürworter der tridentinischen Priesterausbildung und bereiteten die 1891er Ausstellung des Heiligen Rockes vor. Als Direktor des erwähnten Konviktes oblag ihm auch die Aufsicht über die Erziehung des Priesternachwuchses in Trier. An dieser Stelle soll nur kurz erwähnt werden, daß Endres seine Aufgabe auch während der für die katholische Kirche schweren Zeit des Kulturkampfer versah, und auch als Vertreter der Diözese mit dem damaligen Kultusminister zusammentraf. Das neoromanische Grabmal aus gelbem Sandstein ist reich verziert, im Sockel sind drei Rundnischen eingelassen, in denen Inschriftentafeln aus schwarzem polierten Stein sind. Die Johann Bernhard zugehörige zeigt liturgische Symbole wie Oblate und Kelch, was auf seine geistlichen Würde hinweist, außerdem die Symbole für Alpha und Omega, die auf Grabmälern häufig zu finden sind. Im Mittelteil des wuchtig wirkenden Grabmals ist eine Kreuzigungsszene stark plastisch herausgearbeitet, die einer genaueren Betrachtung würdig ist. Das ganze Grabmal wird von einer dreieckigen Bedachung abgeschlossen, die mit lesbischem Kyma und Krabben verziert ist. Es ist nun besonders interessant, daß Endres hier auf dem Hauptfriedhof im Grab seiner Familie bestattet worden ist. Üblicherweise fanden Geistliche seines Ranges ihre Begräbnisstätte im Dombereich.

Außerdem wurde hier die Johanna Endres bestattet, Ordenssschwester der Borromäerinnen und fromme Stifterin des sogenannten alten Olewiger Klosters auf dem Gelände der ehemaligen "Hungerburg".




An einen heute nicht mehr sehr bekannten Heimatdichter Triers, der hauptberuflich Postamtmann gewesen war, soll an dieser Stelle erinnert werden. Es handelt sich um den 1873 geborenen Louis Frère, der mit einem Gedicht und einem Prosastück Preise eines Wettbewerbs des Vereins Trierisch gewann. Seine zahlreichen Werke, hochdeutsche wie mundartliche, veröffentlichte Frère, der Mitglied des Vereins Trierisch war, in regionalen Zeitungen und Zeitschriften. Dienstlich war er in verschiedenen Orten eingesetzt gewesen, unter anderem auch in Metz, von wo er aber 1919 ausgewiesen wurde. In der Folge lebte er wieder in Trier. Frère bemühte sich, wie schon vor ihm Philipp Laven, um die Akzeptanz der Trierer Mundart in Prosa- Literatur und Dichtung. Im Jahre 1939 verstarb er in Trier und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Hauptfriedhof.

Die auch auf diesem Friedhof bestattete Familie Grenzhäuser hatte sich ihren Wohlstand durch die Fabrikation von und den Handel mit Tabak und Zigarren verdient. Die Herstellung von Rauchwaren hatte in Trier einst Konjunktur, galt noch im frühen 20. Jahrhundert als einer der bedeutendsten Tabakregionen und die des Anton Grenzhäuser (1853-1925) gehörte mit zu den größten Triers. Seine Tabak- und Zigarrenfabrik und auch sein Wohnhaus, oder besser gesagt seine Villa, ließ er sich 1891, bzw. 1898 in der heutigen Ausoniusstraße bauen, die damals noch „Vor dem Martinstor“ hieß. 1902 errichtete man in der Neustraße (Nr. 51) ein schmales Wohn- und Geschäftshaus, in dem eine Filiale der Tabakfabrik untergebracht werden sollte. Weitere Dependancen hatte man laut Adressbuch am Hauptmarkt 22 und am Breitenstein 12.

Der Geheime Sanitätsrat Dr. Karl Mittweg (1843-1913) war Stadtverordneter Triers gewesen und hatte sich bei der Gründung des Vereins Trierer Musikfreunde 1912 engagiert. 1908 hatte er seine Wohnung in der Grabenstraße 17.


Grabmal Haw

Dieses beeindruckende Grabmal erinnert an den ehemaligen Trierer Oberbürgermeister Georg Nikolaus Wilhelm von Haw. Sein Adelsprädikat bekam er 1842 durch den preußischen König verliehen. Der am 7. Oktober 1793 in Daun als Sohn eines kurtrierischen Hofrates geborene Haw hatte bereits eine beeindruckende Juristenlaufbahn hinter sich, als er 1818 zum Oberbürgermeister Triers gewählt und auch Landrat des Stadtkreises Trier wurde. Er galt als erfahren in Verwaltungs- und Justizangelegenheiten. Nach dem Studium der Rechte in Trier und Paris war er unter anderem auch schon in Trier, in Holland, Bremen und Herzogenbusch tätig gewesen, durch ein Dekret Napoleons sogar Präfekt des Departements de l`Aube gewesen. Seine Nähe zum Französischen Recht, insbesondere der Revolutionszeit, zeigte sich in einer antipreußischen Haltung von Haws, die er mit den Trierern teilte. Freilich zog er sich hiermit den Unmut der preußischen Obrigkeit zu, die ihm später auch ein Disziplinarverfahren und Ordnungsstrafen anhingen, 1834 entzog man dem Oberbürgermeister gar die Leitung der städtischen Polizei. Die Stadtverordnetenversammlungen wurden zeitweise überwacht. 1839 trat Haw vom Amt zurück, nicht ganz freiwillig beantragte er seine Versetzung in den Ruhestand. Den konnte er auch noch einige Jahre genießen, am 4. August 1862 starb von Haw in Trier. Von Haw gilt als für die preußische Regierung unbequemster Trierer Oberbürgermeister, seine Personalakten sind reich gefüllt. Kentenich rühmt Haw vor allem wegen der Verschönerung Triers hinsichtlich des Bauwesens, auch die Pflasterung der Trierer Innenstadt fällt unter seine Regierungszeit, ebenso wie die Überbauung des Weberbaches, der damals noch durch die Stadt floß. Doch Haw war nicht nur ein politisch überaus aktiver Mann, sondern auch dem gesellschaftlichen Leben in seiner Stadt verbunden. Als Mitglied der Trierer Freimaurerloge versah er dort den Grad/Amt? Des Meisters vom Stuhl. Als Katholik in Trier war von Haw außerdem im Jahren 1845 Präfekt der Marianischen Bürgersodalität. Verheiratet war von Haw übrigens mit Elisabeth Franziska Nell, der Tochter einer angesehenen und wohlhabenden Trierer Familie. Ein noch heute beliebtes Ausflugsziel der Trierer, das freilich mehr als einmal in Gefahr gewesen war, steht auch in engem Zusammenhang mit von Haw. Ließ er doch die in seinem Eigentum befindlichen landwirtschaftlichen Güter Ottoscheuer (Schneidershof), Grünhaus (Drachenhaus)und Weißhaus zum Gut Weißhaus zusammenfassen und erbaute wohl 1823 das heute wieder renovierte Weißhaus an der Stelle des vormaligen Weißhäußchens. Ottoscheuer war ursprünglich im Besitz der Benediktinerabtei St. Martin gewesen, Grünhaus hatte einst der Benediktinerabtei St. Marien zugehört. Der Wald und die Gartenanlagen sind ebenso seiner Planung zu verdanken. Das Besondere hieran ist, daß er diese seine eigenen Ländereien, Gärten und Parks der Trierer Bevölkerung zur Nutzung und Erholung öffnete, zur Verfügung stellte. Nach seinem Tod wurde das Gelände versteigert und kam in den Besitz des Statthalters, Prinz Heinrich, der Niederlande. Nicht nur durch ein Ehrengrab auf dem Trierer Hauptfriedhof wurde von Haw geehrt, sondern auch durch die Benennung einer Trierer Straße nach ihm.


Grabmal Spoo

An dieser Stelle soll auf jeden Fall an Hermann Philipp Josef Spoo erinnert werden, der auch den ersten biographischen Führer über Triers Friedhöfe verfasst hat. 1943 hat der Studienrat dieses maschinenschriftliche Manuskript im Auftrag der damaligen Städtischen Garten- und Friedhofsverwaltung angefertigt. Heute sind leider nicht mehr alle von ihm präsentierten Grabstellen berühmter Trierer Männer und Frauen erhalten. Spoo hat hierzu alle Friedhöfe der Stadt berücksichtigt, neben dem Hauptfriedhof auch die Gräberfelder von St. Matthias, St. Paulin und den Domfriedhof.

Spoo war am 1. Oktober 1893 in Wittlich als Sohn des Lehrers Johann Spoo zur Welt gekommen. Nachdem er in Trier 1912 sein Abitur bestanden hatte, studierte er alte Sprachen und Geschichte, um 1918 seine Lehramtsprüfung zu absolvieren. Unterbrochen wurde sein Studium durch seinen freiwillig abgeleisteten Kriegsdienst 1914, aus dem er 1915 aufgrund einer starken Verwundung entlassen wurde. Er durchlief die Lehrer-Ausbildungsstationen, seit 1928 war er dann Studienrat. Seinen wohlverdienten Ruhestand genoß Spoo ab 1958. Besondere Beachtung verdient Spoo wegen seine Engagements für die Heimatforschung, die Förderung der Trierer Mundart und wegen seines Einsatzes für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Steipe. Hermann Spoo hat viele Publikationen (weit über 200) über heimatkundliche, regionalhistorische Themen, darunter auch mundartliche Gedichte verfasst. Oft signierte er nur mit „Trevir.“ . Bei diesen Interessen ist es nur selbstverständlich, daß Spoo aktives Mitglied des Vereins Trierisch und lange Zeit auch in dessen Vorstand gewesen ist. Am 6. Juli 1976 verstarb Spoo nach kurzem Krankenhausaufenthalt in Trier im Alter von 82 Jahren. Verheiratet war er mit Emmy geborene Herber.


Grabmal Lintz

Selbstverständlich finden sich auch die Familiengrabstätten der Verleger- und Buchhändlerfamilien Jacob Lintz und Friedrich Valentin Lintz auf dem Trierer Hauptfriedhof. Das Grab der letztgenannten Familie Lintz ist sehr schlicht im Art-Déco- Stil gehalten.

Beide erwähnten Lintz sind Enkel des Buchhändlers Jakob Lintz, der 1801 in Trier den Verlag gleichen Namens gegründet hatte. Sohn des Unternehmensgründers und Vater der beiden vorgenannten Brüder war Friedrich Lintz (1813-1889), der dem väterlichen Verlag 1851 eine Kunsthandlung hinzufügte und ein Jahr später einen bestehenden Druckereibetrieb hinzukaufte. Auch das Amtsblatt und der öffentliche Anzeiger erschienen in Lintz Verlag.

Jacob (1845-1918) war seit 1872 im Familienbetrieb tätig, den er 1898 aufteilte und dann als „Druckerei und Verlag Jakob Lintz“ weiterführte, sein Bruder Friedrich Valentin Lintz (1854-1912) hingegen nannte sein Unternehmen den „Verlag der Fr. Lintz`schen Buchhandlung Friedrich Valentin Lintz“, das bis 1927 bestand. Der dritte Bruder, Eduard, war bereits 1889 aus dem Unternehmen ausgeschieden, um einen Verlag in Düsseldorf zu begründen. Vorher hatten sich die Brüder die Aufgaben im Unternehmen geteilt gehabt, der Verlag war die Angelegenheit Jakobs, Eduard hatte die Leitung der Druckerei inne und Friedrich Valentin kümmerte sich um das Sortiment des Buchhandels. Ein Nachfolgeunternehmen der „Druckerei und Verlag Jakob Lintz“ ist heute die Firma „Lintz Druck Lintz & Co. GmbH.

Die Gräber der bekannten Trierer Brauer-Dynastie Caspary finden sich auf dem lokalen Hauptfriedhof. Die aus Bernkastel stammende Familie hatte ihren Anfang in Trier mit Johann Baptist Caspary gemacht, der 1826 mit seiner Frau Angelika Day nach Trier in die Krahnenstraße gezogen war und eine Brauerei eröffnet hatte. Später verlegten sie ihr Geschäft in die Innenstadt, in die Fahrstraße, und nachdem die Brauerei richtig erfolgreich lief, erbaute sein Nachfolger, Sohn Anton, 1873 schließlich die Anlage in Heiligkreuz. Bis in die 1970er Jahre sollten seine Nachkommen das Geschäft sehr erfolgreich fortführen, dann wurde es an eine überregionale Brauerei verkauft und damit endete die Ära Caspary-Bier in Trier.


Grabmal Caspary

Die Grabstätten der Familie des Caspary-Gründers und seines Enkels Nicolaus, genannt Nicola, verkörpern so auch ein Stück des Trierer Wirtschaftslebens.

Beide Grabstätten sind beeindruckend gestaltet. Das Grabmal der Familie Johann und Angela Caspary zeigt auf einem Sockel mit stehend, der den Namen der Grabstätte trägt, zwei unkannelierte toskanische Säulen, die ein Kompositkapitell tragen. Unter dem Echinus liegt je ein Halsring und die Basis steht je auf einer Plinthe. Das Gebälk bildet eine Archivolte mit Zick-Zack-Motiv. Zwischen den Säulen befindet sich das Inschriftenfeld mit den Namen und Daten der Verstorbenen. Darüber ist der Kopf eines Engels herausgearbeitet. Auf den Pilastern, die die Säulen mit dem Boden verbinden, sind weitere Tafeln für Inschriften angebracht. Das ganze Grabmal wird durch eine aus Stein gearbeitete Bedachung abgeschlossen.

Am Denkmal der Grabstätte Nicola Caspary, das hier leider mit keiner Abbildung vertreten ist, fällt als erstes das blaue und goldene Farbsteinmosaik auf, das den Hintergrund des oberen Teils des Denkmals bildet. Unterhalb des Mosaiks stehen rechts und links die Namen der Verstorbenen, in der Mitte ist eine Christusfigur angebracht, die vor dem Hintergrund des Mosaiks besonders eindrucksvoll wirkt. Insgesamt wird das Denkmal rechts und links durch je zwei Säulen gestützt. Deren reichverzierte Kapitelle entsprechen allerdings keiner klassischen Säulenordnung. Die zwei Säulen stehen je auf einem Sockel. Über dem Architrav, der mit dem Namen der Familie verziert ist, erhebt sich die Archivolte und bildet eine Art Baldachin über das Denkmal.

Gar nicht weit von diesem Familiengrab ruhen auch die Schwiegereltern des Nicola Caspary, der Landgerichtsrat Teschemacher und seine Frau Therese. Dieses Grab ziert ein schlichtes schwarzes Steinkreuz. Ihre Tochter, die Ehefrau Nicolas, Josephine Caspary, geborene Teschemacher, ist nach nur zwölf Ehejahren bereits früh verstorben.


Grabmal Keune

Neben den Museumsdirektoren des Provinzialmuseums, respektive Rheinischen Landesmuseums wie von Massow und Hettner wurde auf diesem Friedhof ein weiterer Museumsdirektor zur letzten Ruhe getragen. Der 1858 in Trier geborene spätere Archäologe, Museumsdirektor und Lehrer Johann Baptist Keune leitete zwar kein Trierer Museum, sondern in den Jahren 1896 bis 1918 zunächst neben seiner Tätigkeit als gymnasialer Oberlehrer dann aber hauptamtlich das Museum in Metz, arbeitete aber zeitweilig in Trier im Schuldienst und als freiwilliger Hilfsarbeiter, später als ehrenamtlicher Mitarbeiter am Provinzialmuseum Trier. Bezeichnenderweise ziert seinen schlichten Grabstein der Satz „Labor omnia vincit“. Als Mitglied der Gesellschaft für nützliche Forschungen half er auch bei der Betreuung von deren Bibliothek mit. Später wurde Keune Ehrenmitglied des Vereins Trierisch. Ferner war Keune natürlich als Publizist wissenschaftlicher Werke aktiv. Im Januar 1937 ist er Trier verstorben. 1959 wurde der Keuneweg nach ihm benannt.


Grabmal Gracher "der Honigengel"

Auf dem Trierer Hauptfriedhof findet sich außerdem das Grab einer national bekannten und beliebten Sängerin. Die unter ihrem Künstlernamen Gitta Lind auftretende Sängerin und Schauspielerin Rita Gracher war gebürtige Triererin. In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die ausgebildete Koloratursopranistin als Schlagersängerin deutschlandweit berühmt. Eines ihrer bekanntesten Werke ist „Weißer Holunder“ und brachte ihr eine goldene Schallplatte. Lieder mit Titeln wie „Ich hätt getanzt heut Nacht“ oder „Du sollst mein Glücksstern sein“ zählten zu ihrem Repertoire und sind noch heute erhältlich.

Die in erster Ehe mit Joachim Fuchsberger und in zweiter Ehe mit Stanley Brown verheiratete Sängerin trat auch oft in Trier auf, wenn sie nicht gerade mit internationalen Größen der Schlager- und Operettenmusik wie beispielsweise Johannes Heesters auf der Bühne stand. 1974 verstarb die Künstlerin im Alter von nur 49 Jahren in Starnberg und wurde in der Familiengrabstätte Gracher in Trier beerdigt. Zu Füßen des die Grabstätte bekrönenden entzückend gearbeiteten Bronzeengels hat ein Wildbienenvolk seine Heimat gefunden, weshalb die Figur in Trier auch unter dem bezaubernden Namen „Honigengel“ bekannt ist.


Eine ganz große Dame Triers darf hier nicht vergessen werden: Cläre Prem.

Die gelernte Verwaltungsangestellte, gearbeitet hatte sie lange im Arbeitsamt Trier, war eine lokal berühmte und beliebte Mundartdicherin. Sie schrieb auch unter dem Pseudonym Hanna Mann. Neben der Pflege der Trierer Mundart widmete sie ihr schriftstellerisches Talent den Belangen der Emanzipation der Frau. Cläre Prem war zwar 1899 in Duisburg geboren worden, ihre Familie stammte aber aus Trier – St. Barbara, wo die Schriftstellerin auch aufwuchs. Dem Trierer Karneval zeigte sich Cläre Prem sehr verbunden, insbesondere der Karnevalsgesellschaft „Heuschreck“ und natürlich gehörte sie auch dem Vorstand des Vereins Trierisch an, dessen Ehrenmitglied sie war. Eine ihrer Erfindungen waren „Koorscht und Kneisjen“, außerdem hat sie ungezählte Gedichte in moselfränkischer Mundart verfaßt, die auch in den vom Verein Trierisch herausgegebenen Jahrbüchern veröffentlicht worden sind. Ihre ersten Gedichte hatte sie bereits in den Jahren 1918/1919 verfaßt.

1988 verstarb Cläre Prem und wurde auf dem Trierer Hauptfriedhof beerdigt. Eine Straße in Trier-Nord, ganz in der Nähe des Hauptfriedhofes wurde 2001 nach ihr benannt.


Grabmal Mohr

Die Grabkapelle über der Familiengruft Mohr ist anläßlich der Bestattung einer Franziska Monshausen 1876 das erste Mal erwähnt worden. Heute ist sie im Besitz der Buchbinderfamilie Mohr. Die im klassizistischen Stil erbaute kleine Grabkapelle wurde unlängst restauriert und erstrahlt im alten Glanz. Das aus gelbem quaderförmigen Sandstein gearbeitete Mauerwerk wird durch rote Steinbalken optisch in drei Ebenen gegliedert, auf den nach oben sich verjüngenden Wänden sitzt ein Giebeldach. Über dem Eingangbereich findet sich im Giebelfeld ein verglaster Okulus, gerahmt wird er durch zwei verzierte Pilaster. Den Eingang versperrt ein geschmiedetes Eisentor. Der Giebel, der auf einem architektonischen Gebälk ruht, ist verziert. Drinnen steht auf einem hölzernen Altar eine Pieta. An den Wänden sind die Inschriftentafeln der Bestatteten angebracht.

Mit einem schlicht gestalteten Grabmal (hier nicht abgebildet) wird dem hochdekorierten Offizier Theodor Groppe gedacht.. Der am 16. August 1882 in Trier Geborene war Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und Anhänger des monarchisch regierten Deutschlands. So wird er auch im Ersten Weltkrieg Soldat und wird mit dem hohen Verdienstorden „Pour le Merite“ ausgezeichnet, wie uns auch sein Grabstein verrät. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges war der gläubige Katholik Groppe wieder als General aktiv, bewies aber immer wieder standhaft Zivilcourage und widersetzte sich Anordnungen und Weisungen der Nazi-Diktatur. Als Anhänger der Deutsch-Nationalen Volkspartei war er zwar konservativ und nationalistisch eingestellt, aber auch dem katholischen Glauben eng verbunden. Bekannt war er auch unter dem Namen der „Schwarze General“. Zugleich war er ein entschiedener Gegner der NSDAP. Auch als General in der Wehrmacht dachte und arbeitete er nicht konform zur Nazi-Herrschaft, sondern stellte sich deren unmenschlichen Auswüchsen in den Weg, wo er nur konnte. Das führte schließlich zu seiner Entlassung aus der Wehrmacht und zur Inhaftierung wegen Wehrkraftzersetzung und Defätismus, aus der er 1945 durch französische Truppen befreit werden konnte. Groppe arbeitete danach für die US-Militärregierung bis er schließlich 1955 wieder nach Trier kam, wo er auch den Vorsitz der Deutsch-Französischen Gesellschaft innehatte. Am 28. April 1973 verstarb Theodor Groppe in Trier.


Grabmal Voss

Dieses wunderschöne Denkmal erinnert an die Grabstätte der Familie des Essigfabrikanten Johannes Carl Voss. Besitzerfamilie der einst die größte Weinessigfabrik Deutschlands, die bis 1970 bestand. Gegründet worden war die Trierer Firma schon 1884 durch Carl Voss. Besonders der Zweite Weltkrieg hinterließ auch dieses Unternehmen schwer geschädigt. Dennoch scheute die Familie den Wiederaufbau nicht und erweiterte Produktions-, Lagerkapazität und das Sortiment. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Weinhandlung, Weinessigfabrik und Spiritusgroßhandlung Voß ihren Sitz in der Saarstraße und in der Löwenbrückenerstraße. Bis 1970 existierte die Essigfabrik, bis Curt Voss ausschied und das Unternehmen an die bekannte Firma Hengstenberg verkaufte. Curt Voss wurde Ehrenmitglied der deutschen Essigindustrie und in Trier Mitgründer der lokalen Sektion des Rotary-Clubs. Er verstarb am 9. Mai 1976 in Trier.


Grabmal Brach

In diesem beinahe versteckt liegenden Familiengrab wurde die in der Trierer Kommunalpolitik überaus engagierte Martha Anna Ottilia Brach zur letzten Ruhe gebettet. Die 1899 in Trier geborene Martha Kohn, die sich 1920 mit Joachim Brach, einem Eisenbahn-Sekretär vermählte, starb 1990 im Alter von 91 Jahren. Nach dem Besuch einer Höheren Töchterschule besucht sie in den Jahren 1911-1914 ein Pensionat in Metz. 1933 wurde Martha Brach die „missio canonica“ zuerkannt, die Erlaubnis zur Erteilung von Religionsunterricht. Früh verwitwet, Joachim Brach starb 1938 im Alter von knapp 50 Jahren, zog sie ihre Kinder alleine auf. Seit 1946 war sie CDU- Mitglied und aktiv im Wohnungs- und Ernährungsausschuß der Stadtverwaltung Trier. Lange Jahre war Martha Brach Mitglied des Trierer Stadtrates und 1959-1963 sogar Mitglied des Landtages. Sozial und kulturell engagiert, war sie auch Gründungsmitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft Trier und setzte sich, als emanzipierte Frau und lange Jahre aktive Landesvorsitzende der CDU-Frauenvereinigung in Rheinland Pfalz für die politische Bildung von Frauen ein. Brach wurde in den 50er Jahren Ehrenbürgerin der Stadt Orleans und erhielt 1964 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, neben vielen weiteren Ehrungen, die ihr auch später noch zuteil wurden. In dieser Grabstelle wurden neben ihrem Ehemann auch ihre Eltern, Johann und Ottilie Kohn und der Sohn Hans Joachim zu Grabe getragen. Letzterer starb einen besonders tragischen Tod. Am Allerheiligentag 1944, einem Datum, an dem damals wie heute viele Menschen ihrer verstorbenen Angehörigen auf dem Friedhof gedachten, wurde er, im Alter von nur 16 Jahren hier von einem Artilleriesplitter getroffen und starb bald darauf an seiner schweren Verwundung.


Grabmal Leitl

Hier sieht man die Grabstätte des Architekten, der in Trier markante Gebäude errichten ließ. Als bedeutendstes sei die Stadtbibliothek Trier in der Weberbach genannt. Außerdem ins Auge fallende Gebäude wie die Pfarrkirche der Trierer Pfarrei St. Agritius, die Synagoge und das neue Hotel Porta Nigra (Dorint). Aber auch Verwaltungs- und Wohnbauten hat Alfons Leitl entworfen, der 1909 in Berlin zur Welt kam. Neben seiner Tätigkeit als Architekt publizierte er, der eine journalistische Ausbildung genossen hatte, auch, vor allem über architektonische Themen. In Trier hatte er von 1949 bis 1951 das Amt des Stadtbaurates und technischen Beigeordneten inne. Hier hatte er auch kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen zu koordinieren. Aufgrund beruflicher Differenzen gab er 1951 sein Amt auf und arbeitete fürderhin als freier Architekt in Trier. Leitl war mit Susanne Speck verheiratet und starb am 5. Februar 1975 in Trier.


Eine mittlerweile ziemlich renovierungsbedürftige Grabstelle gehörte der Familie Anton Pies und erinnert rein optisch nicht mehr an Wohlstand und die Bedeutung der bestatteten Familie. Anton Melchior Pies war einer der damals in Trier noch häufig zu findenden Gerbereibesitzer, und Lederfabrikanten. Geboren wurde er am 1. August 1816 in Trier als Sohn des aus Minheim stammenden Rotgerbers und Gerbereibesitzers Johann Josef Pies (1786-1838). Das Unternehmen, das Anton Pies später führte, existierte schon seit 1790. Johann Josef Pies hatte diese Lederfabrik, in der er wohl auch das Handwerk erlernt hatte, im Jahre 1815 der Besitzerin Frantzen abgekauft. Im gleiche Jahr hatte er Maria Katharina Goebel zum Traualtar geführt, die später Anton Pies Mutter wurde. Nach dem frühen Tod des Vaters 1838 führte Anton Pies gemeinsam mit seiner Mutter das väterliche Unternehmen weiter, 1844 begann er eine Gerbereilehre bei Hubert Kiesgen und 1850 übernahm er die alleinige Leitung des Familienbetriebes. Schon 10 Jahre später modernisierte und vergrößerte er das Unternehmen und erwarb zu diesem Zwecke in der Saarstraße ein 4600 Quadratmeter großes Grundstück. Seit 1841 war Anton Pies mit Maria Magdalena Feilen verheiratet, er starb am 20. April 1888 in Trier. Seine Gerberei zählte mit zu den größten Lederfabriken in Trier. Eichenlohgerbereien waren einst in der Trierer Wirtschaftslandschaft keine Ausnahmeerscheinung, auch die der Familie Pies existierte noch bis in die 1960er Jahre. Heute arbeitet nur noch die Lederfabrik Johann Rendenbach in der Lederherstellung und kann durch ein altes, besonders aufwendiges und damit auch teures Gerbe-Verfahren hochwertige Lederwaren herstellen, die auf dem internationalen Markt ihre Abnehmer im Luxussegment finden.

Nicht nur die Grabskulpturen aus alten Zeiten sind sehenswert. Auch auf modernen Gräbern finden sich manchmal sehr sensibel kreierte figürliche Darstellungen, die sich trotz ihrer deutlichen erkennbaren Modernität hervorragend in das Gesamtbild einfügen.

Leider überwiegen aber die Grabsteine, die, wohl auch aus Massenproduktionen stammend, der Mode der Zeit unterliegen und weder eine symbolische Aussage machen noch eine besondere Augenweide darstellen. Viele moderne Grabmale wirken uniform, als ob die Menschen wenigstens im Tode gleich, oder doch eher vergleichbar werden sollen und ihre Individualität, die sie als Lebende noch besessen haben, ablegen sollen.

Natürlich ist auch der Kostenfaktor zu bedenken, die Gestaltung eines opulenten Grabdenkmals wie einst, in handwerklicher Qualität, bedarf wohl eines entsprechenden finanziellen Aufwandes. Heute mehr denn damals. Aber auch die modernen Grabgestaltungen sind ja nicht eben billig. Es wäre zu wünschen, das die Friedhofsatzungen in bezug auf die Grabgestaltung noch offener würden und es auch immer mehr Hinterbliebene gäbe, die den Mut besitzen, für ihre Verstorbenen individuellere und ästhetisch wie künstlerisch ansprechende Grablegen schaffen zu lassen. Durch diesen Persönlichkeitsbezug der Grabstätten würde die Atmosphäre eines Friedhofs interessanter und sympathischer, letztlich auch menschenfreundlicher, lebensbejahender. Es kann ein subjektiver Eindruck sein, aber der Besuch eines historischen und eingewachsenen Friedhofes nimmt dem Tod etwas von seinem Schrecken, moderne uniforme Grabreihen hingegen vergrößern ihn eher.

Schon 1979 beklagte der Regionalforscher und Bürgermeister Emil Zenz, daß viele erhaltenswürdige historische Grabmale verloren gehen, insbesondere seit 1945 zeigte sich der Trend zu sogenannten zeitgemäßen modernen Grabmalen, wobei die alten Denkmäler nicht mehr erhalten wurden.

Was sehr schade ist, schließlich sind die Begräbnisstätten ein wichtiger Ausdruck gesellschaftlicher Identität, die zugleich die historische Entwicklung der entsprechenden Region mitdokumentieren. Außerdem gleichzeitig ein Spiegelbild der Stadtgeschichte und des Empfindens der Menschen, die diese Stadt geprägt haben. Bisweilen läßt sich an ihm die Entwicklung der Sepulkralkultur der letzten beiden Jahrhunderte in Trier ablesen.

Immerhin besteht noch die Chance, sich alte aufgelassene Grabstätten auf dem Trierer Hauptfriedhof als Wahlgrab auszusuchen, bzw. den alten Grabstein weiterzuverwenden. Als zusätzliche Kosten entstehen nur die der allfälligen Restauration des gewählten Grabdenkmals, das damit für die Zeit der Nutzungsdauer der Grabstätte in den Besitz des neuen Eigentümers übergeht. An mancher Stelle ist dies schon zu entdecken, wenngleich die Verbindung des alten Denkmals mit den neuen Schrifttafeln nicht immer eine gelungene Symbiose darstellt.

Ein besonders bemerkenswertes Grabfeld auf diesem Friedhof ist die „Krokuswiese“, das Kindergrabfeld. Hier können Eltern ihre frühverstorbenen oder nicht lebensfähig geborenen Kinder pietät- und würdevoll beisetzen lassen und haben so einen festen Platz zur Trauer gefunden. Mitten in dem ovalen Grabfeld findet sich eine Sternenskulptur, die von der Studentin Sin Eun Sen entworfen wurde und aus gelbem Sandstein geschaffen ist. Im äußeren Rund des Grabfeldes ist Platz für die Kinderreihengräber, die „Krokuswiese“ (ohne größeren Aufwand pflegeleicht und daher ohne nennenswerte Folgekosten für die Verwaltung) in der Mitte dient als Gemeinschaftsgrab, vor allem für die früh verstorbenen und totgeborenen Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm zur Welt gekommen sind und nicht der allgemeinen Bestattungspflicht unterliegen. Diese Bestattung erfolgt in kleinen sternenförmigen Särgen, die in der Schreinerei des Don-Bosco-Heimes (Don Bosco Salesianer Helenberg) gefertigt wurden. Hier haben die betroffenen Eltern einen Platz, an dem sie die Chance haben, ihre Trauer durch individuelles Gedenken verarbeiten zu können. Diese Bestattung erfolgt in kleinen sternenförmigen Särgen, die in der Schreinerei des Don-Bosco-Heimes (Don Bosco Salesianer Helenberg) gefertigt wurden. Für dieses seit 2001 bestehende Grabfeld stehen als Ansprechpartner neben dem Grünflächenamt der Stadt Trier auch die „Aktion Sternenkinder“ und die Selbsthilfegruppe „Gute Hoffnung – Jähes Ende“ zur Verfügung.

Die Krokuswiese



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